Nordwest Zeitung / Kreiszeitung Wesermarsch: Rock-Party für die ganze Familie mit den „Queen Kings“

Fünftes Gastspiel vor ausverkaufter Jahnhalle wieder ein Höhepunkt der Saison

Nordenham. Schon beim dritten Stück des Programms hatte Sänger und Frontman Mirko Bäumer die vollbesetzte und -bestandene Jahnhalle soweit: das Publikum sang lauthals den Text zu „I Want to Break Free“ – das war rekordverdächtig!

Ohne den berühmten „nordenhamer Graben“, ohne Stimmungseinbruch und mit nur einer Verschnaufpause ging es gut dreieinhalb Stunden lang zur Sache: 27 Titel der Stadien-füllenden seinerzeit besten Live-Band der Welt gruben zufriedenes Grinsen in hunderte von Gesichtern. Erstaunlich war daran, dass diese zu Menschen unterschiedlichsten Alters gehörten. Vom Jung-Teenager bis zum ergrauten Senioren und seiner Gattin sangen, klatschten und wiegten sich die Konzertbesucher im Takt der bekannten und auch der weniger oft gehörten Kompositionen von Freddy Mercury, Brian May und Co.

Die Mischung aus rockigen Titeln, Balladen, Ohrwürmern und Raritäten funktionierte. Der Spannungsbogen hielt das lange Konzert aufs Feinste zusammen, bis zum Schluss die Hymne aller Sieger „We are the Champions“ ertönte. Auf dem Wege dahin gab es frühe und späte Queen-Titel, solche der jungen wilden Jahre, aber auch diejenigen, in denen das Ende und der AIDS-Tod von Freddy Mercury schon anklangen.

Große Teile des Publikums konnten fast alle Songs mitsingen – und taten das, aufgefordert und unaufgefordert, sehr gern. Mirko Bäumer gab ihnen immer wieder „Zucker“, schwärmte von seinem nordenhamer Publikum, fragte sich gar rhetorisch: „Warum fahren wir hier eigentlich immer wieder weg?“

Mit seinem Witz und Charme legte er sich nicht nur die Damen zu Füßen. Bei allem Humor der Moderation kam aber die Musik nie zu kurz. Bei der raren Ballade „Take My Breath Away“ sang er Gänsehäute, nicht nur bei „These are the Days“ überzeugte er im Duett mit Susann de Bollier und aus den Rock-Titeln kitzelte er die letzte Energie. Sein Stimmumfang ähnelt dem seines Bühnen-Vorbilds und „Freddys“ Titel zu singen kostet ihn nur an wenigen Stellen große Anstrengung. Sein Bewegungsradius gemahnt fast an Mick Jagger. Er ist das Salz in der „Queen Kings“-Suppe.

Das Fleisch liefert die Band. Seine Ko-Sängerin, sowie die anderen Musiker, wenn sie zum Chor verschmelzen. Sein „ständiger Begleiter“, Bassist Rolf Sander, der in allen „Queen“-Wasser gewaschen ist – Musical, Coverband und Original-Band – und mit seiner freundlichen Zurückhaltung und tollen Soli überzeugt.

Keyboarder Christof Wetter ist ein alter Hase, auch wenn Mirko Bäumer berichtet, er sei der Schlagerszene entrissen worden. Nicht nur bei „Dragon Attack“ präsentierte er seine solistischen Qualitäten. Schlagzeuger Matthi Schmidt hatte seinen großen Auftritt im zweiten Teil des Abends mit einen fulminanten Schlagzeugsolo im „Kettensägen-Massaker“-Stil (Bäumer).

Als Letzter (aber nicht Geringster) sei hier Florian Zenker erwähnt, der den etatmäßigen Gitarristen Frank Rohles würdig vertrat. Allenfalls trat er weniger aggressiv auf, „poste“ nicht so routiniert. Spieltechnisch gab er keinen Anlass zur Klage. Es war schon „A Kind of Magic“, was die „Queen Kings“ da anstellten, und das Publikum war sich einig: „Show Must Go On“. Aber bei aller Begeisterung bestand die eine Gefahr nicht: „Too Much Love Will Kill You“. Dazu freuen sich in Nordenham viel zu viele auf das nächste Gastspiel der fantastischen „Queen Kings“.